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Morgenkreis im Kindergarten neu gedacht

Der Morgenkreis ist schon seit vielen Jahren fester Bestandteil des Kita-Alltags. In den letzten Jahren steht er jedoch auf dem Prüfstand. Das heutige Bildungsverständnis, das sich stark an der Eigenständigkeit und dem Autonomiebestreben der Kinder orientiert, hat die Praxis in Kitas, und damit Tagesabläufe und Strukturen, enorm verändert. Dennoch ist der Morgenkreis von großer Bedeutung. Hier erleben Kinder ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl und das sie für die Gemeinschaft, in der sie leben, von Bedeutung sind. Der Morgenkreis hat sich zu einem Gremium für Kinder entwickelt, in dem sie die Möglichkeiten haben sich aktiv an der Gestaltung ihres Tages, an denen für sie wichtigen Themen und bei Entscheidungen die für das Wohl der Gemeinschaft getroffen werden, zu beteiligen. Die Herausforderung hierbei ist, komplexe Abläufe und Entscheidungsmöglichkeiten für die Kinder so transparent darzustellen, dass die Kinder jederzeit wissen, was kann ich entscheiden, wie kann ich meine Meinung zum Ausdruck bringen und welche Konsequenzen diese Entscheidungen haben.

Nehmen sie die Abläufe ihres Morgenkreises einmal genau unter die Lupe: Wofür steht dieser Kreis und wofür wird er genutzt? Geht es eher darum, Wissen zu vermitteln und Aktivitäten, Lieder, Spiele, neue Impulse usw. an die Kinder heranzutragen? Oder nutzen sie dieses Gremium, um für die Kinder Entscheidungsräume zu schaffen? Passen sie die Dauer und den Inhalt des Morgenkreises dem Entwicklungsstand der Kinder ihrer Gruppe an?

Tipps für Ihre Praxis: Visualisieren sie den Tagesablauf der Kinder beispielsweise in Form von Fotostrecken oder für die Kinder verständlichen und bekannten Piktogramme. So können sie jederzeit nachvollziehen, wann am Tag der Morgenkreis stattfindet und ob sie daran teilnehmen möchten. Die „Sitzordnung“ kann durch kleine Kissen oder personalisierte Platzsets organisiert werden. Die Kinder können sich ihren Platz auswählen und entscheiden neben wem sie heute sitzen möchten. Kleine Hilfsmittel wie der „Redestein“, unterstützt die Kinder dabei, einander zuhören, ohne Angst zu haben, nicht an die Reihe zu kommen. Stellen sie gemeinsam, mit laminierten Fotos aller Kinder und Erzieher*innen, die Anwesenheit fest. Dies kann mit Fotos unterstützend visualisiert werden und von den Kindern übernommen werden.

Fragen sie sich als Team, welche Entscheidungen die Kinder im Morgenkreis treffen können und wie sie die Entscheidungswege für alle transparent darstellen. Wer zählt zum Beispiel die anwesenden Kinder? Wer stellt den Kalender ein? Wer schaut nach dem Wetter? Welches Lied oder Spiel wollen wir singen oder spielen? Welche Aktivitäten möchte ich oder die Gruppe heute unternehmen? Sie als Team legen fest, was und in welcher Form die Kinder entscheiden können.

Das heutige Bildungsverständnis, das sich stark an der Eigenständigkeit und dem Autonomiebestreben der Kinder orientiert, hat die Praxis in Kitas, und damit Tagesabläufe und Strukturen, enorm verändert.

Über die Autorin:

Peggy Bresnik, freiberufliche Referentin mit den Schwerpunkten Bildung und Erziehung der frühen Kindheit und Kitamanagement sowie Coach für Einzelpersonen und Teams

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