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Bedürfnisorientierte Gestaltung der Essenssituation in der KiTa

SATT ALLEIN, MACHT NICHT GLÜCKLICH

„Essen hält Leib und Seele zusammen.“ Beim Essen geht es nicht „nur“ um das Stillen eines Grundbedürfnisses zum Erhalt aller Körperfunktionen des Menschen. Nahrungsaufnahme ist, auf der einen Seite, existenziell für unser Überleben, unsere Entwicklung und Gesundheit. Auf der anderen Seite, gehören auch Bedürfnisse nach Bindung und Beziehung, Anerkennung und Zugehörigkeit, Lustgewinn und Unlustvermeidung, Selbstwirksamkeit und Selbstregulierung, Explorationsbesteben… existenziell dazu. In der Essenssituation befindet man sich daher ständig im Bestreben nach Balance zwischen Abhängigkeit und Autonomiebestreben. Die Essensituation stellt, gerade wenn Kinder neu in eine Einrichtung kommen, in jedem Fall eine sehr hohe Entwicklungs- und Anpassungsherausforderung dar. Jedes Kind bringt, je nachdem wie Kinder die Essensituation von ihrer Familie erleben, vielfältige Vorerfahrungen mit. Kinder sind immer „Essenlerner- Kennenlerner“, die eine kleine, eigene Karte an bekannten Speisen und Tischritualen bereits kennen und nun, in der KiTa, neue Lebensmittel, Eindrücke, Erfahrungen und Fertigkeiten dazulernen. Sie sind jedoch auch „Essenskönner“, die motorisch und emotional fähig sind, genussvoll und selbstständig zu essen und schon vielfältige Erfahrungen gemacht und verschiedene Speisen kennengelernt haben. Für die Gestaltung der Essenssituation in der KiTa ist entscheidend, wahrzunehmen und zu erfragen, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten bereits mitgebracht werden und für alle Kinder einen individuellen Start in die neue „Essenswelt“ zu ermöglichen. In der Essensituation steckt eine gewisse Anspannung- auf der einen Seite haben die Kinder Hunger und möchten etwas essen, wenn ihnen die Situation und die Speisen jedoch fremd sind, können sie sich nur schwer darauf einlassen. Nur satt werden genügt eben nicht, wenn auf der anderen Seite wichtige Grundbedürfnisse wie Sicherheit, Anerkennung oder Beziehung…nicht ausreichend befriedigt sind. Die Feinfühligkeit der pädagogischen Fachkräfte ist ein wichtiger Faktor für das Meistern dieser elementaren Schlüsselsituation im KiTa-Alltag.

Wie kann es uns nun gelingen in der KiTa beide Bedürfnisse, auch die von Eltern und Fachkräften, zu vereinen? Natürlich möchten Eltern und Fachkräfte, dass Kinder ausreichend und gesund essen. Kinder möchten das auch, jedoch zu ihren eigenen Bedingungen. Der Geschmacksinn von Kindern ist noch nicht wie der von Erwachsenen entwickelt. Zudem sind Kinder noch dabei, verschiedene Geschmäcker, Konsistenzen… kennenzulernen und das braucht individuell Zeit und selbstbestimmtes Erproben aus einem reichhaltigen Angebot. Entscheidend ist, dass Sie als Einrichtung ein ausgewogenes und gesundes Essen anbieten, den Kindern jedoch die Entscheidung, was und wieviel sie davon annehmen, überlassen. Nehmen Sie Kinder mit auf eine „kulinarische Reise“, in dem Sie das Thema Essen, als etwas Spannendes erfahren. Lebensmittel durch selbst einkaufen, zubereiten, vielleicht sogar selbst anbauen kennenzulernen erleichtert den Zugang, auch einmal etwas zu probieren, was die Kinder noch nicht kennen. Dies kann, wenn Sie nicht selbst in der Einrichtung kochen, in Projektform, gemeinsamen Kochtagen, Frühstücksbuffets… geschehen. Wichtig ist, dass Kinder immer die Möglichkeit haben, auf „Ankerlebensmittel“ (Lebensmittel, die ihnen vertraut sind) zurückzugreifen. “Mit Speck fängt man Mäuse.“- es geht auch ohne Speck, aber präsentieren Sie Ihr Speiseangebot verführerisch und lassen Sie den Kindern den größtmöglichen Entscheidungsfreiraum. 

 

Mit der neuen Rezepte App finden Sie leckere und gesunde Ideen zu jedem Anlass. Ich wünsche viel Spaß beim Nachkochen- und Backen und guten Appetit. 

 

Extratipp: Nachhaltig Essen und Trinken in der Kita-geht das?

Was wir täglich essen und trinken und wie wir mit Lebensmittel umgehen hat großen Einfluss auf unser Klima. Wo kommen unsere Lebensmittel eigentlich her, wie werden sie produziert und was tut unserem Klima gut oder eben nicht? Wichtige Fragen, die Sie auch mit Kindern besprechen können. Achten Sie z. B. darauf, woher die Lebensmittel kommen und wie weit sie bis in Ihre KiTa „gereist“ sind. Um dies zu veranschaulichen, können Sie eine Deutschland-Europa- und/oder Weltkarte benutzen, um die Wege und damit die CO2 Bilanz zu verdeutlichen. Überlegen Sie gemeinsam, welche Lebensmittel sie wo regional einkaufen können und bereiten Sie einmal ein Gericht „nur“ aus regionalen Zutaten zu. Um saisonale Lebensmittel anzubieten, laden Sie sich einen saisonalen Kalender z.B. bei utopia.de herunter und überlegen gemeinsam welche Auswirkungen es hat, Lebensmittel das ganze Jahr über im Supermarkt kaufen zu können. Erkunden Sie Ihre Umgebung und bringen in Erfahrung, wann in Ihrer Nähe ein Wochenmarkt stattfindet und/oder unterstützen regionale Bauern und/oder Händler in Ihrer Nähe.

Entscheidend ist, dass Sie als Einrichtung ein ausgewogenes und gesundes Essen anbieten, den Kindern jedoch die Entscheidung, was und wieviel sie davon annehmen, überlassen.

Über die Autorin:

Peggy Bresnik, freiberufliche Referentin mit den Schwerpunkten Bildung und Erziehung der frühen Kindheit und Kitamanagement sowie Coach für Einzelpersonen und Teams

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