Bild: adobe Stock / superelaks

Langlebigkeit ist nachhaltig

Wandelbarkeit, Flexibilität und Langlebigkeit sind nachhaltig und schonen das Budget.

Nachhaltigkeit kann ich mir nicht leisten. Das ist ein Satz, den ich oft höre, wenn es um das Thema Nachhaltigkeit geht. Gerade wenn es um die Einrichtung, Neu- oder Umgestaltung von Räumen geht, lassen höhere Preise zunächst einmal zurückschrecken und die Entscheidung fällt auf günstigere Alternativen. Ist Nachhaltigkeit aber wirklich immer teurer? Nachhaltige Produkte wie z.B. Spielzeuge und Möbel, sind auf den ersten Blick zunächst teurer in der Anschaffung. Sie sind jedoch wesentlich langlebiger und durchdacht designt, können somit umgestaltet und/oder angepasst und repariert werden. Dazu kommt eine Produktion, die auf gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe verzichtet und die Gefahr vor Allergien, Unverträglichkeiten und gesundheitliche Schädigungen ausschließt. 

Nehmen wir als Beispiel ein Spielhaus aus Plastik. Sicher, es ist im Vergleich zu einem Spielhaus aus Holz wesentlich günstiger in der Anschaffung, auf lange Sicht ist es jedoch viel teurer. Plastik ist zwar ein wunderbares und haltbares Material, ist es jedoch ständiger Bespielung durch viele Kinder und Witterungsbedingungen ausgesetzt, wird es schnell porös, verliert an Farbe und schnell brechen Teile aus oder ganz ab. Die Bruchstellen sind scharfkantig und das Haus kann nicht mehr von den Kindern bespielt werden. Dann muss schnell Ersatz her und ein neues Haus wird angeschafft. Zudem kann so ein Plasikhaus nicht mit den Bedürfnissen von Kindern mitwachsen und/oder umgestaltet werden. Ein Holzhaus hingegen, hält nicht nur der Witterung stand, sondern „lebt“ mit ihr. Es kann geschliffen, gestrichen, umgestaltet, angebaut…werden. In einem Spielhaus aus Plastik können oft nur eher junge und wenige Kinder spielen, da die Häuser verhältnismäßig klein sind. Da sie schnell ausbleichen und unansehnlich werden, werden sie leider auch nicht an andere Kinder weitergegeben, sondern entsorgt. Ein Holzhaus hingegen, kann viele Generationen von Kindern beherbergen. 

Plastik ist zwar das „Wundermaterial“, stellt jedoch, durch enthaltene Schadstoffe (z.B. PVC, Vinyl), „Weichmacher“ und Mikroplastik, ein großes Gesundheitsrisiko, besonders für Kinder dar. Kitas weisen in ihren Räumen, laut Umweltverband (2019), eine dreimal höhere Konzentration an Mikroplastik auf als in normalen Haushalten. Das liegt am Anteil von Plastikspielzeugen, Verbrauchsmaterialen (z.B. Moosgummi, Pflegeprodukten, Reinigungsmittel), Plastikgeschirr (z.B. Melamingeschirr) u.v.m. Bei fast allen Gegenständen lösen sich durch Hitze, Gebrauch, Waschen usw. Mikroplastik und Chemikalien, die in den Körper aufgenommen werden (durch Mund, Haut, und Nase) oder ins Grundwasser gelangen. [vgl. Miklitz, I.2020, S. 12-23]


Für hochwertigere und nachhaltige Möbel und Spielmaterialien spricht, durch durchdachtes und oft „neutrales“ Design, weiterhin ihre Wandelbarkeit und Flexibilität. Nehmen wir wieder unser Spielhaus. Häuser aus Plastik sind oft sehr vorgegeben in ihren Spielmöglichkeiten und bieten wenig bis keine Gestaltungsräume. Das Holzhaus hingegen bietet, wie beschrieben, viele Möglichkeiten für die Kinder an der Gestaltung ihrer Räume zu partizipieren. Die Farbgestaltung und/oder ggf. Um- uns Anbauten werden gemeinsam mit den Kindern gesprochen und z.B. in der Kinderkonferenz beschlossen.

Praxistipp: Vermieten Sie doch ihr Gartenhäuschen mal als „Ferienwohnung“ für einen Tag an die Kinder. Die „Mieter können ihr Haus so gestalten wie sie möchten und für die Endreinigung sind sie natürlich selbst verantwortlich. 


Räume für Kinder müssen sich ständig den veränderten Bedürfnissen von Kindern anpassen. Können z.B. Tisch- und Stuhlhöhen mit den Kindern mitwachsen? Hocker bieten nicht nur Platz zum Sitzen, sie können auch zum Bauen im Rollen- und Konstruktionsspiel, als Podeste, Spielecken, Bühnen, Höhlen… eingesetzt werden. Möbelrollen unter Tischen und Regalen, ermöglichen es ihnen, schnell und unkompliziert Platz zu schaffen. So kann z.B. aus einem Materialregal eine Mal- Spiele- oder Fühlwand werden oder Rückzugsmöglichkeiten geschaffen werden. Klapptische bieten die Möglichkeit z.B. nach den Malzeiten eine Staffelei oder Verkleidungsecke mit Spiegel zu benutzen oder einfach Bewegungsraum zu schaffen. Flexible Materialwagen können immer wieder neu bestückt und bei Bedarf auch den Raum wechseln. Auch hier schonen Sie Ihr Budget auf lange Sicht.

Noch einen Vorteil von hochwertigeren und Nachhaltigen Materialien in Ihren Räumen möchte ich hier anführen. Natürliche Materialien schaffen ein besseren Raumklima. Besonders Kinder in der sensomotorischen Phase, nehmen ihre Umgebung mit allen Sinnen auf. Natürliche und vielfältige Materialien (z.B. verschiedene Holzarten) unterstützen hier die Weltaneignung der Kinder ohne durch Ausdünstungen von Chemikalien (z.B. Verklebung, Lasuren, Farbe, Mikroplastik, Weichmacher…) belastet zu werden. 

Durch Ihren Umgang mit Möbeln und Material erleben Kinder zudem Vorbilder und erfahren so, dass nicht alles weggeworfen werden muss, sondern, dass die Dinge ihren Wert haben und gepflegt, repariert, umgewandelt und weitergegeben werden können. Das schont nicht „nur“ unsere Mitwelt und den Geldbeutel, sondern leistet einen aktiven Teil zur nachhaltigen Bildung und Entwicklung von Kindern (BNE).

Ihr Einrichtungsträger kann sie maßgeblich bei der Umsetzung unterstützen z.B. bei der Bereitstellung von Budget, Umorganisation von Budget (flexible, langfristige Planung), auf der Suche nach Kooperationspartnern, Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung, gemeinsam gesteuerten Materialeinkauf und Materialbörsen (alle Einrichtungen eines Trägers) u.v.m.


Verbrauchertipp: unter www.bund.net/giftfrage können sie erfahren wie kritisch und gesundheitsschädlich z.B. Kosmetik- und/oder Spielzeugartikel sind

In unserer Online-Shop Kategorie nachhaltige Spielzeuge finden Sie langlebige Produkte .

"Nachhaltige Produkte [ ... ] sind auf den ersten Blick zunächst teurer in der Anschaffung. Sie sind jedoch wesentlich langlebiger und durchdacht designt, ... "

Quelle/Literatur: Auf dem Weg zur plastikfreien Kita, Ingrid Miklitz, Herder, 2020

Über die Autorin:

Peggy Bresnik, freiberufliche Referentin mit den Schwerpunkten Bildung und Erziehung der frühen Kindheit und Kitamanagement sowie Coach für Einzelpersonen und Teams

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