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Musikalische Früherziehung in der Kita: Mit viel Musik und Kreativität durch den Tag

„Wissenschaftlich gesehen wären die wichtigsten Schulfächer Musik, Sport, Theaterspielen, Kunst und Handarbeit.“ Dieses Zitat des Hirnforschers Manfred Spitzer macht deutlich, wie wichtig Kreativität, Musik und Bewegung für eine gesunde Entwicklung von Kindern und hirngerechtes Lernen sind. 

Musik liegt uns im Blut. Alle Kulturen auf unserer Welt haben ihre Lieder, Reime und Melodien. Sie begleiten uns vom ersten Tag unserer Geburt, oft sogar schon davor. Das Lied der Spieluhr, die Melodie, welche die Eltern summen beim Trösten oder zu Bett bringen, Kinderreime und Lieder, die unsere Rituale begleiten. Sie bedeuten Dazugehörigkeit, Orientierung, Struktur, Freude… und vermitteln Nähe, dass wir einander gernhaben und gemeinsam Spaß haben. Diese zugewandte und gelöste Atmosphäre (entspanntes Feld) ermöglicht es den Kindern, sich wohlzufühlen und sich leicht einzulassen auf neue Erfahrungen (Lernen).


Lernen mit allen Sinnen

Schon die Kleinsten stellen eine Verbindung zwischen dem Wahrnehmen des eigenen Körpers, der Umwelt und den dazugehörigen Wörtern und deren Bedeutung her. So unterstützt die musikalische Früherziehung kreativ das Lernen mit allen Sinnen und Entwicklungsbereiche wie z.B. Sprache, Körperempfinden, Bewegung, Koordination, Rhythmik, Mathematik, sozial-emotionale und kognitive Entwicklung.

Kinder erfahren durch Musizieren und Tanz mehr über sich selbst und stärken ihr Selbstbewusstsein (Selbstwahrnehmung, Selbstwirksamkeit, Selbstregulation). Sie erhalten eine kreative Ausdrucksform, die es ihnen ermöglicht, mehr über ihren Körper, ihre Gefühle, aber auch über die Gefühle des anderen zu erfahren (Empathie-Fähigkeit). Kinder sind sehr kreativ. „Kreativität fällt nicht vom Himmel. Aber wir alle können lernen, die schlummernden Ideen zu wecken.“ Daniel Golemann


Verbindung von Musik, Sprache und Bewegung

Methoden-, Sach-, Ich- und Sozialkompetenzen werden mit und durch Musik vielfältig erworben. Dies kann jedoch nur gelingen durch die enge Verbindung von Musik, Sprache und Bewegung. Um alle Entwicklungsbereiche ganzheitlich und hirngerecht zu fördern, müssen die Kinder selbst tätig sein und mit ihrer Stimme, ihrem Körper, Instrumenten, Tönen und Klängen, Liedtexten und Reimen kreativ experimentieren können. 

Kinder leben heute in einer Welt, in der sehr viele Reize von außen auf sie einwirken. Besonders der auditive und der visuelle Sinn werden durch Medien wie Fernseher, PC, Handy etc. stark beansprucht. Diese Reize können besonders sehr junge Kinder nicht oder nur schwer verarbeiten. Ein übermäßiger Konsum (Reizüberflutung) dieser Medien führt eher zu einer Überforderung der Kinder, dementsprechendem Verhalten und Einschränkung ihrer eigenen Kreativität. Ein gut reflektierter Umgang mit Medien wie zum Beispiel Radio, CDs, Hörspielboxen etc. ist für eine gesunde Entwicklung von Kindern daher von besonderer Bedeutung. Die Beobachtung der Bedürfnisse und Anzeichen von Überforderung bietet hier eine elementare Grundlage. Beim selbstständigen Musizieren jedoch geben die Kinder den Ton an und können ihr Tempo und ihre Lautstärke selbst bestimmen und kreativ nach eigenen Ausdrucksmöglichkeiten und Kreationen forschen.


Hier einige Tipps für das Musizieren in der Kita: 

  • Machen Sie es nicht zu kompliziert und wiederholen einfache Melodien mit einem gleichmäßigen Auf und Ab der Töne

  • Wählen Sie Texte, die von dem erzählen, was man ohnehin gerade tut

  • Nutzen Sie Lieder, Töne und Reime als Signal zur Orientierung im Tagesablauf und zur Gestaltung von Mikrotransitionen

  • Setzen Sie sichtbare Impulse, indem Sie Musikinstrumente in offenen Regalen, Tischen, Körben, transparenten Boxen etc. zur Verfügung stellen und somit die Kinder einladen

  • Setzen Sie weitere musikalische Impulse mit Postern von illustrierten Liedern, Komponisten, Spielplänen etc.

  • Begleiten Sie die Kinder beim Musizieren

  • Lassen Sie Raum für die Kreativität der Kinder und fordern Sie diese immer wieder heraus

  • Unterstützen Sie die Kinder beim Wahrnehmen von Rhythmen, Klängen, Tönen und Reimen

  • Vermitteln Sie den Kindern Wissen über die Vielfältigkeit der Musikrichtungen und gestalten Sie eine musikalische Reise durch Zeit und Genres

  • Erfahren Sie mit den Kindern den Aufbau von Liedern und Musikstücken und komponieren Sie gemeinsam mit ihnen neue (Theater-)Stücke

  • Lernen Sie Komponisten kennen

  • Schauen Sie, welche musikalischen Kooperationen Sie in Ihrem Umfeld eingehen können

  • Machen Sie einen „Lauschspaziergang“ und schulen so die Wahrnehmungsfähigkeit und Konzentration der Kinder

Besonders gut geeignet für die musikalische Früherziehung in der Kita ist das Orff-Schulwerk. Dieses musikpädagogische Konzept für Kinder wurde von Carl Orff und Gunild Keetman in den 1920 Jahren in München entwickelt. In Zusammenarbeit mit internationalen Fachkräften wurde erwiesen, dass das Orff-Schulwerk für die Früherziehung aber auch für die Jugend- und Erwachsenenbildung wertvoll ist und findet somit weltweit Anwendung in der Sozial- und Heilpädagogik. 

Grundgedanke des Orff-Schulwerks ist der kreative Umgang mit den Elementen Musik, Sprache und Bewegung. Das Orff-Schulwerk umfasst die zwei Bereiche Orff-Kompositionen (Musik für Kinder) und die Orff-Instrumente. Die Orff-Kompositionen enthalten in fünf Bänden Texte, Lieder und Instrumentalstücke und sind Modelle, die Kinder und Erwachsene zum Spielen, Singen und Tanzen herausfordern, aber auch zum eigenen Improvisieren und Gestalten einladen wollen. 

Weitere wertvolle Musikinstrumente finden Sie unter https://www.kitaeinkauf.de/spass-spiel/musikalisches-spiel/musikinstrumente

Entscheidend für die musikalische Bildung in der Kita ist, dass Sie Spaß am Musizieren und Bewegen zur Musik haben und diesen, durch gemeinsames Tun, an die Kinder weitergeben. Es kommt nicht darauf an, immer den richtigen Ton zu treffen, sondern Kindern eine wichtige Ausdrucksform zur Verfügung zu stellen und ihnen den kreativen Umgang damit zu ermöglichen. Ich wünsche viel Spaß beim gemeinsamen Musizieren, Tanzen und kreativ sein!

"Wissenschaftlich gesehen wären die wichtigsten Schulfächer Musik, Sport, Theaterspielen, Kunst und Handarbeit "

Über die Autorin:

Peggy Bresnik, freiberufliche Referentin mit den Schwerpunkten Bildung und Erziehung der frühen Kindheit und Kitamanagement sowie Coach für Einzelpersonen und Teams

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