Bild: Eigene Aufnahme

Kleine Dinge werden zu großen Schätzen

Ideen für das Spielen und Lernen mit Loose Parts

„Ich sah nämlich nicht den Grund ein, weshalb man die alten Fahrscheine, angespülte Hölzer, Drähte und Radteile, Knöpfe und altes Gerümpel aus Bodenkammern und Müllhaufen nicht ebenso gut als Material für Gemälde verwenden sollte, wie die von Fabriken hergestellten Farben“ - Kurt Schwitters


Dieses Zitat von Kurt Schwitters macht anschaulich deutlich, wie wertvoll die vielen wertlos geglaubten Dinge sind und wie viele Wunder in ihnen verstecken. 

Erinnern Sie sich einmal an Ihre Kindheit zurück: Womit haben Sie am liebsten gespielt? Welche Materialien haben Sie magisch angezogen? Aus scheinbar wertlosen Alltags- und Naturmaterialien wurden die schönsten Spielideen und diese konnten immer wieder kreativ verändert und angepasst werden. Aus einem Karton wurde ein Haus, ein Auto, ein Schiff, ein Schrank, ein Kiosk… 

Nehmen wir zum Beispiel Steine: Steine üben nicht nur auf Kinder eine große Faszination aus. Ertappen Sie sich nicht auch dabei, wie Sie gedankenverloren Kieselsteine zu Mustern legen, Türmen stapeln oder beim Strandspaziergang Steine und Muscheln in den Hosentaschen verschwinden lassen? Alle müssen mitgenommen werden, weil sie so schön und einzigartig sind. 

Kinder brauchen kein Spielzeug, sie brauchen Zeug zum Spielen. Materialien aus dem Alltag und der Natur sind, anders als definierte Spielzeuge, nicht nur auf eine Funktion festgelegt. Aus ihnen ergeben sich ungeahnte, vielfältige und kreative Möglichkeiten zum Spielen und Lernen. Auf der Suche nach anregungsreichen Spielmaterialien bin ich auf den Begriff „Loose Parts“ gestoßen.  

Was sind Loose Parts? Aus dem Englischen übersetzt bedeutet es so viel wie bewegliche, freie Einzelteile. Loose Parts sind mobil und können von Kindern umhergetragen, transportiert, manipuliert, kombiniert, sortiert, entfremdet, verwandelt, zusammenfügt… werden. Sie sind spannend und regen die Fantasie an, sie sind faszinierend, wecken Neugier, stellen Fragen und Herausforderungen, regen alle Sinne an, laden zum Konstruieren und Gestalten ein und fordern zum Gespräch und Kooperation auf. 

In der frühkindlichen Bildung wird der Begriff für anregungsreiche, ansprechende und ästhetische, sinnliche Objekte verwendet. Es geht darum, diese Dinge zu bewegen und durch sie innerlich bewegt (berührt) zu werden. 

Den Ursprung des Begriffs „Loose Parts“ prägte der britische Architekt Simon Nicholson in seinem 1971 erschienen Artikel „How Not to Cheat Children: The Theory of Loose Parts“. Hier beschrieb er die Fülle an leicht verfügbaren Alltags- und Naturmaterialien, die auf vielfältige Art und Weise verwendet und verändert werden können. Nicholson war überzeugt von dem kreativen Potential jedes Menschen. Für ihn bot die Umwelt vielfältige Möglichkeiten, um die Naturphänomene, Konzepte und Menschen zu erkunden. „In jeder Umgebung, stehen der Grad der Erfindungskraft und Kreativität sowie die Möglichkeiten der Entdeckung in einem direkten Verhältnis zur Anzahl und Art der in ihr enthaltenen Variablen.“ [Nicholson S., 1971]

Kinder, die in einer Umgebung reich an sinnlich anregenden Materialen spielen, können die unbegrenzten Kombinationsmöglichkeiten ihrer Umwelt entdecken. Sie erfahren die Welt mit all ihren Phänomenen, lösen kreativ komplexe Problemstellungen und können ein Leben lang auf diese Erfahrungen zurückgreifen. 

Das entspannte Spiel mit Loose Parts unterstützt:

  • sinnliche Wahrnehmung und ästhetische Bildung
  • Kreativität und Problemlösekompetenzen
  • Motorische Fähigkeiten
  • Kognitive Fähigkeiten
  • Forscherdrang und Experimentierfreude
  • Resilienz und Selbstregulation
  • Soziale und emotionale Kompetenzen
  • Sprache
  • Achtsamkeit und den Wert der Dinge zu erkennen


Gehen Sie gemeinsam mit den Kindern auf die Suche nach Loose Parts und entdecken ihren unschätzbaren Wert. Ich wünsche Ihnen viel Freude daran!


Unterstützende Produkte zu diesem Thema finden Sie unter Loose Parts.

" Kinder brauchen kein Spielzeug, sie brauchen Zeug zum Spielen. Materialien aus dem Alltag und der Natur sind, anders als definierte Spielzeuge, nicht nur auf eine Funktion festgelegt. "

Literatur:

  • Nicholson, Simon (1971): „How Not to Cheat Children: The Theory of Loose Parts“ in Landscape Architecture, 62, S. 30-34
  • Daly, Lisa, Beloglovsky, M. ,Loose Parts - Kleine Dinge, große Schätze, Bananenblau, 2015

Über die Autorin:

Peggy Bresnik, freiberufliche Referentin mit den Schwerpunkten Bildung und Erziehung der frühen Kindheit und Kitamanagement sowie Coach für Einzelpersonen und Teams

Loose Parts

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