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Das Jahr vor der Schule - Vorschulerziehung in der Kita

„Jetzt beginnt der Ernst des Lebens.“ Diesen Ausspruch kennen sicher viele von Ihnen. Für viele Eltern ist der Eintritt in die Schule ein sehr wichtiger Schritt im Leben ihrer Kinder. Viele Erwartungen werden damit verknüpft, aber auch Fragen oder sogar Sorgen tauchen auf. Natürlich ist dieser Schritt auch für die Kinder eine große Herausforderung. Bisher war es super, zu den „Großen“ zu blicken und sich zu wünschen, dass man auch bald dazu gehört. Jetzt sind die Kinder plötzlich selbst ein Vorschulkind, übernehmen andere Rollen sowie Aufgaben und stehen veränderten Erwartungen gegenüber. Was sich bisher „nur“ in der eigenen Vorstellung abgespielt hat, muss nun erst einmal gefühlt, ausprobiert und eingeordnet werden. Neben der Vorfreude und Spannung spielen daher jetzt auch der Umgang mit Ängsten und veränderten Anforderungen eine entscheidende Rolle. So wie die künftigen Schulkinder sich nun in ihren neuen Rollen finden müssen, stehen auch die nachrückenden Kinder vor der Herausforderung, ihren neuen Platz in der Kita zu finden. Aber auch für die Erzieher:innen ist das letzte Jahr vor der Schule eine spannende Herausforderung. Viele Fragen bewegen Teams in dieser Zeit besonders: Wie haben sich Kinder bisher entwickelt (und dies ist sehr verschieden)? Was haben wir ihnen mitgegeben? Was möchten wir ihnen noch mit auf den Weg geben? 

Viele Einrichtungen bieten für dieses Jahr vor der Schule ein spezielles Vorschulprogramm an. Dieses ist sehr unterschiedlich strukturiert und kann von der Einführung vorbereitender Programme wie z.B. dem „Würzburger Sprachprogram“, „Zahlenland“ und „Faustlos“, über wöchentliche Treffen mit den kommenden Schulkindern und Besuchen bei Kooperationspartnern wie z.B. der Feuerwehr, Polizei, Bücherei etc. bis hin zu interessenbezogenen Projekten, gestaltet sein. 


Wie dieses Angebot gestaltet wird, hängt stark von den pädagogischen Leitbildern, Konzeptionen und Überzeugungen der handelnden Erzieher:innen ab. Für viele pädagogische Teams steht fest, dass Vorschule die gesamte Zeit vor der Schule stattfindet und dass es in der Vorbereitung auf die Schule um die Basis für das Lernen und die ganzheitliche Förderung von Basiskompetenzen geht. Dazu gehören soziale, emotionale, lernmethodische, kognitive und sprachliche Kompetenzen sowie Resilienz, Selbstwahrnehmung und Selbstbewusstsein. Schlüsselqualifikationen dafür sind Konzentration und Ausdauer, Anpassungsfähigkeit, Eigenständigkeit, Neugier, Flexibilität und vernetztes Denken, Belastbarkeit, Konfliktfähigkeit, Kooperationsfähigkeit, Emotionale Intelligenz sowie Lern- und Leistungsbereitschaft. Für „gutes“ Lernen benötigen wir reale und alltagsbezogene Zusammenhänge. Dafür braucht es eine auf Beobachtung basierende, anregungsreich gestaltete Umgebung mit viel Spaß, freier Zeit zum Spielen und einen gut gelebten Alltag. Stärkend ist der Zusammenhalt in einer Gruppe mit vertrauten Ritualen. Das unterstützt die Kompetenzen des Einzelnen und die Sozialkompetenzen in der Gruppe.

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Hier 12 vielfältige Möglichkeiten für Angebote für die Vorschulkinder:

1) Das Kinderparlament. Hier können demokratische Abstimmungsprozesse kennengelernt und Entscheidungen für sich und die Gemeinschaft getroffen werden. Die Vorschulkinder können hier besondere Aufgaben wie Schriftführung, Themensammler o. Ä. übernehmen. Ergebnisse können selbstständig in Form von Piktogrammen und Symbolen, verschriftlicht werden.

2) Gesprächsrunden, in denen die Themen der Kinder besprochen werden, die sie besonders interessieren oder eine Philosophiegruppe, ein Bücherclub, Theatervorstellungen... Hier erlernen die Vorschulkinder neben der Sprachfähigkeit auch soziale Fähigkeiten wie die anderen Kinder ausreden lassen, vor anderen etwas vortragen, abweichende Meinungen akzeptieren und die eigene Konfliktfähigkeit erproben.

3) Unabhängig davon sollten Vorschulkinder vermehrt bei kleinen Aufgaben einbezogen werden. Sie können Essenspläne aufmalen, Umfragen unter den Kindern starten oder kleine Besorgungen erledigen. Das stärkt das Selbstvertrauen und Problemlösekompetenzen.

4) Einige Kinder können schon etwas lesen oder kennen einzelne Buchstaben, andere interessieren sich sehr für Zahlen, Mathematik und Naturwissenschaften. Dafür eignet sich eine Raumgestaltung, in der die Kinder selbstständigen Zugang zu Medien haben und das Einrichten von Kinderbüros, in denen das Experimentieren mit Buchstaben, Schrift und Zahlen und der Umgang mit Schulmaterialien selbstständig erprobt werden kann.

5) Zu erfahren: Wo bekomme ich Wissen her, wie funktioniert eine Bibliothek, ein Nachschlagewerk, das Arbeiten mit Karteikarten… unterstützt das eigenverantwortliche Lernen.

6) Den Umgang mit Medien insgesamt zu erlernen, ist eine wichtige Grundlage für das Lernen in einer digitalen Welt

7) Das Forschen und Experimentieren kann in Lernwerkstätten, Labors, Forscherboxen o.Ä. gefördert werden. Ausdrucksmöglichkeiten im Atelier und Werkstatt schaffen hier weitere Übungsfelder.

8) Bei z.B. einer Fotosafari durch das eigene Viertel erfahren die Kinder mehr über ihr direktes Umfeld und erlangen darüber mehr Sicherheit. Wo finde ich was? Wie verläuft mein Schulweg? An welcher Bushaltestelle und welchem Supermarkt führt er vorbei? Worauf muss ich besonders achten?...

9) Eine gute Kooperation mit der aufnehmenden Schule unterstützt die Kinder, die neue Umgebung und Bezugspersonen kennenzulernen. 

10) Die Information und Beteiligung der Eltern in diesem Prozess schafft auch hier mehr Sicherheit für alle.

11) Natürlich gehören auch Rituale, die den Übergang in die Schule symbolisieren, zu diesem Übergang dazu.

12) Vor allem ist die emotionale Begleitung der Kinder wichtig. Kinder sollten ausreichend Raum haben, um ihre Gefühle auszusprechen und verarbeiten zu können. Es ist wichtig, nicht immer vom „Ernst des Lebens zu sprechen“, sondern Kinder dabei zu unterstützen, zu ihren Gefühlen zu stehen und diese ausdrücken zu können. So wird ihre Resilienz gestärkt und sie wissen, dass sie vieles allein bewältigen können. Das Motto: Vieles wird anders, aber ich freue mich drauf und krieg‘ das schon hin!

" Neben der Vorfreude und Spannung spielen jetzt auch der Umgang mit Ängsten und veränderten Anforderungen eine entscheidende Rolle. "

Über die Autorin:

Peggy Bresnik, freiberufliche Referentin mit den Schwerpunkten Bildung und Erziehung der frühen Kindheit und Kitamanagement sowie Coach für Einzelpersonen und Teams

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